Beate Meierfrankenfeld: Uganda

Wenn ich ankomme, ist es hier schon knapp über 20 Grad und der Raum wird aus acht geschickt verteilten Effizienzleuchtmitteln bestrahlt. Dabei bin ich es, die aufschließt, niemand ist früher da, um die Systeme zu bedienen, sie steuern sich selbst, machen sich bereit für die Menschen, zuallererst also klar für mich. Sobald ich die Tür hinter mir wieder verriegele (noch sind Gäste nicht zugelassen), bin ich in ihr beständiges Reich aufgenommen: 21 Grad und der milde Schein von Nebensonnen ohne Zentralgestirn an jedem beliebigen Tag, aber keine Zeit, sie mir anzusehen (lang und fest), denn ich habe meine Dinge zu erledigen. Ich bücke mich zum Türschloss in Bodennähe, dann gehe ich 17 Schritte, bin hinten bei der Theke, wo die Sensoren mich bemerken und die Deckenröhren anspringen lassen, den kalten Blitz, der die Schönheit vom Anfang einfach flasht, sicher, aber er gehört an diese Stelle, in die zweite oder dritte Minute nach meiner Ankunft, und ich bin es, die wahrnimmt, dass er dorthin gehört. Stellvertretend für andere, die hier sein könnten, aber nicht hier sind, nehme ich es wahr, und zwar ohne einen Funken Verstimmung oder Nervosität.

Das ist so eine Art Idee, ein zittrig strahlendes Gefühl, das sich seit einiger Zeit gelegentlich in meinen Schulterblättern meldet (seit fünf oder sechs Wochen schon): etwas stellvertretend zu tun.

Ein paar Schalter muss ich natürlich noch eigenhändig betätigen: Kaffeemaschine, Kassendesk, Radio. Solange ich allein bin (84 Stühle, die von 14 Tischen genommen werden müssen, 14 Deko-Gläser mit Sand und je zwei Blumenstielen, die zu verteilen sind), höre ich nichts als den Infokanal („denn in 15 Minuten kann sich die Welt verändern“), dann wechsle ich auf Musik um und muss bald selber reden, nicht viel für den Anfang, weil sich um diese Zeit noch keiner ausführlicher unterhalten möchte. Es kommen PwC-Berater, die im ehemaligen Skygarden auf der anderen Straßenseite arbeiten und beim Kaffeetrinken ihr Phone konsultieren und ihre Zeitung lesen wollen. Kontrollierte, beschäftigte Leute: Das registriere ich ganz gern aus dem Augenwinkel, während ich die Milchschaumdüse arbeiten lasse. Und ab und zu fahre ich abends probeweise in ihrem Hochhaus nach oben, in die Lounge zwischen achter und neunter Etage, eine verglaste Halle mit Bäumen in Töpfen (der garden eben), und sehe mir von dort die Gleissituation an der Hackerbrücke an, den Takt der einfahrenden und startenden S-Bahnen, auf den sonst wahrscheinlich niemand achtet.